Mehr Trinkgeld für Tischtänzerinnen

19.10.2008

Diesen Sonntag eine gänzlich unchristliche Marktstudie: Geoffrey Miller, Joshua Tyber und Brent Jordan haben herausgefunden, dass das Trinkgeld von Tischtänzerinnen von ihrem Menstruationszyklus abhängig ist. Je fruchtbarer die Tänzerinnen sind, desto mehr Trinkgeld gibt es im Schnitt:

We found strong ovulatory cycle effects on tip earnings, moderated by whether the participants were normally cycling. All women made less money during their menstrual periods, whether they were on the pill or not. However, the normally cycling women made much more money during estrus (about US$354 per shift)—about US$90 more than during the luteal phase and about US$170 more than during the menstrual phase. Estrous women made about US$70 per hour, luteal women made about US$50 per hour, and menstruating women made about US$35 per hour. By contrast, the pill users had no midcycle peak in tip earnings.

Für diese bahnbrechende Entdeckung wurde den Forschern übrigens der Ig-Nobelpreis verliehen.


Wie mächtig sind Meinungsforschungsinstitute?

12.10.2008

Eine Reportage auf 3sat geht der Frage nach: Wie mächtig ist die Demoskopie? Welchen Einfluss übt sie über ihre mediale Verbreitung auf politische Entscheidungen aus? Und wie soll man mit dieser Verstrickung umgehen?


Vorsicht ist besser als Nachsicht

11.10.2008

Die Deutschen sind im Ausland dafür berühmt/berüchtigt, ihre Zukunft akribisch zu planen und nichts dem Zufall zu überlassen. Lieber zu früh ankommen, bevor unerwartet etwas dazwischen kommt. Lieber zwei Durchfallmittel in die Reiseapotheke, falls eines nicht hilft. Lieber doppelt verhüten – man weiß ja nie. So wirkt es geradezu ironisch, dass gegenwärtiges Unheil dafür verantwortlich ist, dass drohendes Unheil nicht angemessen abgewendet werden kann.

Doch Langsam: Die Nachrichten der letzten Tage und Wochen wurden vor allem von der Finanzkrise dominiert. In den USA wird ein Finanzrettungspaket geschnürt und die Kanzlerin spricht eine Milliardenschwere Staatsgarantie zur Einlagensicherung aus. Emnid findet für die Bild am Sonntag heraus, dass sich 71% der Deutschen wünschen, dass der Staat nicht nur Banken, sondern auch Kleinanlegern helfen soll. Und laut Zahlen aus dem ZDF-Politbarometer vom 10.10.2008 glauben immerhin 22%, das das deutsche Bankensystem durch die Finanzkrise zusammenbrechen kann. 72% halten die Garantie der Bundesregierung für private Spareinlagen daher für richtig, doch 37% der Befragten wägt seine Spareinlagen trotz der Garantie nicht in Sicherheit. Im Unternehmenbereich zeigt sich ein ähnliches Bild: Einer Studie des DIHK zufolge, erleben die Unternehmen im Schnitt deutlich schlechtere Kreditkonditionen als im Vorjahr (aber immerhin gibt es Kredite) und das ZEW vermeldet, dass bei IKT-Dienstleistern der Index zur wirtschaftlichen Stimmungslage auf seinen bisherigen Tiefstand gefallen ist. Die Stimmung scheint also noch nicht ganz im Pessimismus ertrunken zu sein, aber eine deutliche Beklemmung macht sich spürbar.

Kommen wir also zu den Auswirkungen des gegenwärtigen Unheils auf das drohende Unheil. Drei Versicherer und Finanzdienstleister kommen in drei Studien zu ähnlichen Ergebnissen: TNS Infratest hat für Delta Lloyd herausgefunden, dass vor allem bei Frauen die Wahrnehmung des Risikos von Berufsunfähigkeit nachgelassen hat. Ein Erklärungsversuch schlägt Brücken zur Wirtschaftslage:

„Sicherlich verdrängt die eine oder andere das Problem ganz einfach, aber natürlich steht vielen Haushalten aufgrund der stagnierenden Gehälter und der steigenden Lebenshaltungskosten auch ein kleineres Budget für die Vorsorge zur Verfügung.“

Einen ähnlichen Erklärungsansatz wählt die HDI Gerling, die eine Studie mit der Forsa durchgeführt hat.

„Die Subprime-Krise und der Rückgang der Aktienmärkte nehmen Verbrauchern den Mut, für das Alter vorzusorgen.“

So haben zwar 50% der Verbraucher monatlich zwischen 25 und 200 Euro zur Verfügung, aber nur 3% der Befragten beabsichtigt, ein zusätzliches Altersvorsorgeprodukt zu erwerben. Überdurchschnittlichen Zuspruch erhalten nur sog. Hybridlösungen mit Verlustabsicherung. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt schließlich Allesbach für die Postbank. Auch hier wird eine Zunahme der sicheren Anlageformen „Erwerb des Eigenheims“ und „Bausparen“ identifiziert.

Insgesamt scheint es also, dass die Deutschen vor allem deshalb ihre Vorsorge zurückfahren, weil die Sorgen der Gegenwart die Sorgen der Zukunft übersteigen. Und dann kann man das ganze ja vielleicht auch so sehen: Wenn Deutsche im Ausland berühmt/berüchtigt dafür sind, immer alles zu planen, dann möglicherweise auch deshalb, weil die Deutschen im Vergleich zu anderen Landsmannschaften eine vergleichsweise gute Gegenwart hatten und haben.


Licht ins Dickicht des Tarifdschungels bringen

10.10.2008

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende ist eine Dame, – ich verstehe den Namen nicht. „Ob ich meinen eigenen Telefontarif kenne?“, fragt sie mich. Da ich erwarte, dass mir die Dame ohnehin gleich ein besseres Angebot unterbreitet, murmle ich etwas unwisch: „Nee“. STOP!

Diese Geschichte ist natürlich nur frei erfunden. Und es soll uns auch nicht um unseriöses Telefonmarketing gehen, sondern um seriöse Marktforschung: TNS Infratest hat für die D+S europe AG per CATI 1000 Menschen ab 14 Jahren zu ihren Telefontarifen befragt. Das Ergebnis: rund 60% der Befragten kennen den Minutenpreis ihres Telefonanbieters nicht. Dabei hängt der Grad des Wissens stark von Einkommen und Alter ab.

„Nee“, murmle ich etwas unwirsch. Die Dame seufzt: „Da geht es Ihnen wie der Mehrheit in Deutschland. Bei dem Tarifchaos kann man sich ja auch nicht mehr auskennen“. Die Dame wird mir wider Willen sympathisch. „Wir möchten Ihnen eine Lösung anbieten, die das Telefonieren radikal vereinfacht: Bei uns telefonieren sie umsonst!“

Ihr fragt euch, wie das gehen soll? Die Lösung fand ich hier oder hier….


Wenn der Arzt versagt, legt der Anwalt los

09.10.2008

Nicht immer können Beruf und Berufung nah beisammen liegen. Schlimm wird es aber erst, wenn auch anderen Menschen die ungliebte Arbeit missachten. Und richtig verletzend wird es, wenn diese Missachtung sogar in Zahlen ausgedrückt werden kann. So flossen gestern bittere Tränen im Anwaltsblog. Der Anlass ist eine Studie, die von der Forsa für den Deutschen Beamtenbund zum Berufsprestige ausgewählter Berufsgruppen erstellt wurde. Die Süddeutsche betitelt die Bilderstrecke zum dazugehörigen Artikel gar „Lieber Müllmann als Anwalt“.

Nicht verstecken braucht sich dagegen die Berufsgruppe der Ärzte (Platz 3), insbesondere dann nicht, wenn man den Ergebnissen Glauben schenken mag, die die Forschungsgruppe Wahlen vor einiger Zeit für die Kassenärztliche Bundesvereinigung ermittelt hat: Eine insgesamt große Zufriedenheit mit dem Hausarzt wird nur durch die Ungleichbehandlung von Kassen- und Privatpatienten getrübt. Ein besonderer Patiententyp wurde übrigens auch schon ausgemacht: TNS Infratest hat herausgefunden, dass die Zuschauer von Arztserien meistens weiblich und tendenziell sozial, materiell und pflichtbewusst sind. Nur: Spricht das nun für überhöhte Ansprüche oder überdurchschnittliche Loyalität beim Arztbesuch?

Was man daraus lernen kann? Vielleicht dass Anwälte gerade dann zum Zug kommen, wenn Ärzte versagen. Schlechte Zeiten also für den Advokaten.